Was ist Neuropsychologie?

Vorstellung des Fachgebiets

Neuropsychologie ist ein Teilgebiet der Klinischen Psychologie an der Schnittstelle zwischen Neurologie und Psychologie. Sie befasst sie sich mit dem Zusammenhang zwischen Gehirn, Verhalten und Erleben.

Schwerpunkt der Klinischen Neuropsychologie ist die Diagnostik und Therapie kognitiver Störungen nach erworbener Hirnschädigung. Das heisst, das Schädigungsereignis bzw. eine neurologische Krankheit betrifft ein bis anhin gesundes zentrales Nervensystem. Gemeint sind akute Schädigungen wie z.B. durch cerebrovaskuläre Insulte (Schlaganfälle), Schädel-Hirn-Traumata oder Schädigungen durch Sauerstoffunterversorgung. Häufige chronische neurologische Erkrankungen sind Morbus Parkinson und Multiple Sklerose.

Neuropsychologen beurteilen aber auch kognitive Störungen, die entwicklungsbedingt im Lebensverlauf auftreten. Dazu gehören vor allem neurodegenerative Erkrankungen mit Beginn im mittleren oder höheren Erwachsenenalter und meist fortschreitendem Verlauf. Solche Erkrankungen führen oft zur Demenz. Demenz ist ein Überbegriff. Es gibt unterschiedliche Demenzformen, bei deren Einordnung die neuropsychologische Untersuchung sehr wichtig ist.

Einen zunehmenden Stellenwert bekommt die Neuropsychologie bei der Beurteilung kognitiver Einschränkungen im Rahmen psychischer Störungen (wie z. B. ADHS, Depression, Angststörungen, Traumafolgestörungen, Erschöpfungszustände und Schmerzsyndrome).


Neuropsychologische Diagnostik

In einer neuropsychologischen Untersuchung werden folgende kognitiven Funktionen beurteilt:


Aufmerksamkeit (Reaktionsgeschwindigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Fähigkeit zur Teilung der Aufmerksamkeit, kognitive Belastbarkeit)
Informationsverarbeitung (Kapazität und Tempo bei der aktiven Verarbeitung von Informationen bzw. beim Denken)
Gedächtnis (Lernen und Behalten neuer Informationen, autobiographisches Erinnern, Abruf von Fakten und Weltwissen)
Executivfunktionen (Planen, Durchführen und Überwachen von (komplexeren) Handlungen, Umgang mit neuen ungewohnten Anforderungen, schlussfolgerndes Denken, kreatives Denken, Impulskontrolle, Flexibilität, Abschirmung gegenüber Störungen)
Visuell-räumliche Leistungen (visuell-räumliches Denken und visuell-räumliche Wahrnehmung, visuokonstruktive Fähigkeiten)
Visuelle Neglectphänomene nach meist rechtshemisphärischer Hirnverletzung (Vernachlässigung von visuellen Reizen auf einer Gesichtsfeldhälfte)

Neben der testdiagnostischen Untersuchung kognitiver Funktionen beinhaltet eine neuropsychologische Untersuchung immer auch eine Einschätzung des Verhaltens (z. B. Antrieb, Stress- und Reiztoleranz) und des Sozialverhaltens (Kommunikation und Interaktion).

Zudem wird auch das gefühlsmässige Erleben beurteilt (z. B. depressive und ängstliche Symptomatik). Auch psychosomatische Beschwerden (Schmerzen, Erschöpfbarkeit und Ermüdbarkeit, Schlafstörungen) müssen eingeschätzt werden.


Neuropsychologische Therapie

Hauptziel neuropsychologischer Therapie ist die Wiedererlangung grösstmöglicher Selbständigkeit im privaten und beruflichen Alltag. Sie leitet sich ab aus den testdiagnostischen Befunden. Diese werden verglichen mit den individuellen Anforderungen im Alltag und berücksichtigen die persönlichen Bedürfnisse und die individuelle Bedeutung der kognitiven Einschränkungen.
Neuropsychologische Therapie hat das Ziel, verlorene Funktionen zu verbessern oder wiederherzustellen. Wenn dies nicht möglich ist, müssen Strategien zur Kompensation verlorener Funktionen erarbeitet werden.

Neuropsychologische Therapie kann derzeit leider nicht über die Grundversicherung abgerechnet werden. Bei einzelnen Patienten werden Therapien von der SUVA oder der IV übernommen. Dies müsste im Einzelfall abgeklärt werden.


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